24.06.2016, 09:54 Uhr

MEINUNG: BREXIT – Eine neue Chance für die EU ohne Extrawurst-Partner

Die Londoner Finanzwelt ist über den Austritt Großbritanniens aus der EU nicht erfreut. Für die Union selbst tun sich aber plötzlich neue Chancen auf.

Die Kommentare der EU-Politiker und die Berichterstattung in den Medien über den EU-Austritt Großbritanniens sind einseitig negativ. Bewusst oder unbewusst wird verschwiegen, dass die Briten nie in Europa angekommen sind.

Das Ergebnis des britischen EU-Referendums sorgte rund um den Globus für Hysterie. Zunächst an den Börsen. Aber dazu muss man wissen, dass Börsen schon hysterisch reagieren, wenn in Peking ein Fahrrad umfällt. Und dann folgten natürlich die entsetzten Reaktionen der EU-Politiker und der ihnen treu ergebenen (öffentlich rechtlichen) Medien, bei denen man das Gefühl bekommen konnte, dass jetzt die Welt untergeht.

Unglaublich aber wahr: Die Welt dreht sich weiter

Natürlich ist der Austritt Großbritanniens aus der EU bedauerlich. Aber die bis heute nicht bewältigte Griechenland-Krise sowie die gewaltige Arbeitslosigkeit sind eine weitaus größere Gefahr für den Zusammenhalt der Union.

Die EU wird jedenfalls auch ohne Großbritannien weiter existieren. Es werden auch keine Handelsbeziehungen mit den Briten abgebrochen werden. Und am Ende wird das Verhältnis zwischen Großbritannien und den EU-Staaten so sein wie zu Norwegen oder der Schweiz.

Schluss mit der Extrawurst-Politik

Zudem ist jetzt endlich Schluss mit dem britischen Sonderweg. Der Grün-Politiker Werner Kogler hat Großbritannien als "größten schwimmenden Extrawurstladen der Welt" bezeichnet. Zu Recht! Die Briten waren bestenfalls Halbtags-Europäer. Sichtbarstes Zeichen dafür war die Tatsache, dass Großbritannien nicht der Euro-Zone angehörte. Aber das war ja nur die Spitze des Eisbergs.

Der EU-Beitrag war seit 1984 durch den sogenannten Briten-Rabatt geringer als er aufgrund der Wirtschaftskraft des Landes eigentlich hätte sein müssen. Und das, weil die damalige EU vor der "Eisernen Lady" Margaret Thatcher in die Knie ging.

Der Schengen-Raum, eine gemeinsame Asylpolitik, eine gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik oder der Fiskalpakt: alles Themen, die für die Briten ein "No Go" waren. Nicht zu vergessen eine EU-Finanztransaktionssteuer, die bisher an den Briten gescheitert ist. Nur das Handeslabkommen TTIP mit den USA stand ganz im Interesse der Londoner Finanzaristokratie.

Die EU hat plötzlich neue Chancen

Alles in allem verabschiedet sich mit Großbritannien endlich ein Land aus der EU, welches ohnedies nie richtig dabei war. Und übersehen wird auch, dass die Stimmen für den Verbleib in der EU lediglich Stimmen für diese Exrawurst-Politik waren und nicht wirklich für Europa.

Die EU hat plötzlich neue Chancen. Sie kann jetzt die Themen umsetzen, die bisher an den Briten gescheitert sind. Sie kann sich ohne Rachegefühl von einem Mitglied verabschieden und so aller Welt signalisieren, dass man kein zweites Sowjet-Imperium ist, bei dem ein Austritt Hochverrat ist.

Und die politischen Repräsentanten der Union haben nochmals die Chance bekommen, lernen zu dürfen. Sie können lernen, sich aus ihrer olympischen Selbstherrlichkeit zu verabschieden. Wenn sie sich dann in die Ebenen der Normalsterblichen begeben, könnten sie vielleicht realisieren, dass die Sorgen und Nöte der Menschen in Europa ganz andere sind als das in den Brüsseler Elfenbeintürmen angenommen wird.

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Martina Deberni aus Graz | 24.06.2016 | 13:57   Melden
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