Leserbrief
Thema: Fachkräftemangel im Pflege- und Betreuungsbereich

Mit einem "Slow walk" wurde die Forderung nach einer 35-Stunden-Woche verdeutlicht.
  • Mit einem "Slow walk" wurde die Forderung nach einer 35-Stunden-Woche verdeutlicht.
  • Foto: Riegler
  • hochgeladen von Martina Schweiggl

Dass der Fachkräftemangel im Pflege- und Betreuungsbereich und in der Folge die Forderung der Gewerkschaft nach einer 35-Stunden-Woche auch in der Südweststeiermark ein großes Thema ist, verdeutlicht DGKP Sigrid Riegler im Rahmen eines Leserbriefs:

"Fachkräftemangel muss ein Problem der Politik sein, nicht der privaten Einrichtungen und schon gar nicht der Beschäftigten!
7. Kollektivvertragsverhandlung SWÖ [Sozialwirtschaft Österreich, Red.] nach 12 Stunden Verhandlungsmarathon ergebnislos unterbrochen….nächste Verhandlungsrunde für 125.000 Beschäftigte im Pflege und Betreuungsbereich ist am 26.3.2020. Großdemo am 10.3.2020 in Graz, Wien und Linz.
Der Fachkräftemangel (v.a. im Pflege- und Betreuungsbereich) war schon lange absehbar: Demographisch und aufgrund fehlender Anreize und Rahmenbedingungen.
Früher gab es Seniorenheime, die die heutigen Pflegeheime sind und einen erhöhten Arbeitsbedarf erfordern.


In der Region wurden bisher fünf Aktionen durchgeführt:


1. Slow walk: Wir gingen im Schneckentempo durch die Stadt und durch das Fachmarktzentrum. Alle mit Plakat-Switches am Rücken und Schildern in der Hand mit der Forderung der Kampagne. Mit den „persönlichen Stundenberechnungskärtchen“ zogen wir viele Blicke auf unserem Slow walk und konnten viele interessante Diskussionen führen. Eine 35-Stunden-Woche würde den Sozialbereich wieder interessanter machen und KollegInnen, welche die Pflege- und Betreuungsbranche bereits verlassen haben, wieder zurückholen. Es kann nur geleistet werden, wozu genug Personal da ist. Die Kosten dürfen nicht auf die Beschäftigten gehen, die mehr leisten müssen, als sie können.
2. Auch aus anderen Berufsbranchen war volle Unterstützung da. In männerdominierten Berufen gibt es viele Überzahlungen, in Sozialberufen kaum. Pflege und Betreuung wird großteils noch immer von Frauen geschultert. Als Frau muss ich immer wieder gezielt und mit Nachdruck fordern, was ich will, sonst kriege ich den Verdienst laut Kollektiv, also NIX;
3. Auch Autos wurden in Deutschlandsberg zu überzeugten Werbeträgern unserer Forderung, der 35-Stunden Woche, welche einen finanziellen Ausgleich bringt.
4. Viele öffentliche und geschlossene Betriebsversammlungen sowie Aktionen in den Betrieben waren anberaumt. Informationen an Angehörige wurden kommuniziert.
5.  Es wurden Berechnungen angestellt, wie jede/r Einzelne von einer 35-Stunden-Woche bei uns am Standort profitieren kann, mittels der persönlichen „Vorteilsberechner Kärtchen“. Aber auch wie viele Arbeitsplätze es zusätzlich gäbe.  Das durchschnittliche Ausmaß der Anstellungen im Sozialbereich liegt unter 30 Wochenstunden. Ich bin überzeugt: Eine Arbeitszeitverkürzung spiegelt die Realität der Anstellungsverhältnisse wieder.
Die 35-Stunden-Woche wird nicht alle Probleme lösen, aber auf jeden Fall stellt sie einen Ansatz dar. Damit werden wesentliche Probleme von jenen Menschen angegangen und teilweise gelöst, die diese Arbeit tatsächlich leisten.
Es stellt sich auch weniger die Frage, ob MIT einer 35-Stunden- Woche genug Personal rekrutiert werden kann, sondern viel mehr, wie es OHNE die 35-Stunden Woche gehen sollte!"
DGKP Sigrid Riegler

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Autor:

Martina Schweiggl aus Deutschlandsberg

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